| Manchmal liegen des Redakteurs Freud und Leid beim Test eines neuen Produkts sehr nahe beieinander. Und manchmal sind es gerade die guten Seiten, die die Verärgerung über die vermeintlich schlechten Seiten erst so richtig aufflammen lassen. Wäre das Original 1954 in einem ähnlich unfertigen Zustand zu seinem Erstflug aufgebrochen, hätte sich daraus keinesfalls ein Flugzeugmuster entwickelt, das bis heute in der J-Version bei zahlreichen Streitkräften und zivilen Unternehmen im täglichen Einsatz ist! Original und Captain-Sim Nachbau hatten immerhin eine fast identische Entwicklungszeit…
History
Es begann 1951 mit einem ersten Entwurf der C-130A, deren erster Prototyp wie erwähnt 1954 seinen Erstflug absolvierte. Bereits im Folgejahr startete die erste Serienmaschine, und im Dezember 1956 wurde das Muster offiziell in den Bestand der USAF übernommen. Das erste Modell, das in Großserie gefertigt wurde, war die C-130E, welche zu den von Captain Sim bereits veröffentlichten Versionen gehört. Glaubt man den Ankündigungen der Entwickler, so sind in naher Zukunft weitere Modelle geplant, die allerdings käuflich dazuerworben werden müssen. Geplant sind immerhin eine ganze Menge: C- 130H, KC-130 (Tanker), C-130T mit Starthilferaketen, C-130H-30 (eine verlängerte Version), L-100 (für zivile Zwecke ausgelegt), C- 130A (das Urmodell mit 3-Blatt-Propeller), C-130J (modernste Version mit Glass-Cockpit und 6-Blatt-Propeller), LC-130H (Ski), NC- 130H (NASA) sowie CL-130 (nie produzierte Wasserflugzeug-Variante). Nachts, wenn es ganz leise ist, höre ich Stimmen, die da sagen: „Die meisten dieser Varianten werden nie veröffentlicht werden.“ Die Entwickler mögen es mir nachsehen, aber mit Blick auf den aktuellen Status bin ich einfach skeptisch – doch dazu später mehr.
Im April 1962 begann die Auslieferung der Serien-E-Version, und der Vietnamkrieg verhalf dieser Variante durch unzählige Feldmodifikationen dazu, sich als Eier legende Wollmilchsau zu behaupten. Das Flugzeug bewährte sich während des Konfliktes nicht nur in seiner ursprünglichen Rolle – im späteren Kriegsverlauf fielen sie in drei Rollen ganz besonders auf: als Versprüher der berüchtigten Defolianten (Stoffe, die die Blätter von den Bäumen fallen ließen („Agent Orange“)), als Gunships, wobei sie die bereits sehr betagten C-54 ablösten und mit mächtigen, zur Seite gerichteten Kanonen versehen, ganze Äc ker mit Blei beregnen lassen konnten, und in so genannten „Blind Bat“ Missionen, die der Aufspürung nächtlicher Fahrzeugkolonnen dienten, auf die sich gegen Kriegsende die gesamte Logistik der Vietcong zu stützen schien. Selbstverständlich spielten sie als Transportmaschinen nach wie vor eine entscheidende Rolle, denn sie konnten selbst auf kurzen, staubigen Bahnen starten und landen, und durch ihre Möglichkeit, sehr steil an- und abzufliegen, waren sie entsprechend kurz gegnerischem Gewehrfeuer ausgesetzt. Gegen die im späteren Verlauf eingesetzten Boden-Luft-Raketen führten Sie Düppelbehälter mit, deren Abfeuern auch in der Captain Sim Variante gut nachgestellt ist. In den Folgejahren gab es immer wieder Verbesserungen, und die Tatsache, dass viele alte Maschinen noch heute im Einsatz sind, spricht für die Zuverlässigkeit und Wartungsfreundlichkeit der Hercules.
Es wurde also höchste Zeit, dass sich ein fähiger Entwickler an die Umsetzung einer hochwertigen Payware-Variante macht. Ob es gelungen ist? Nun…wie eingangs geschrieben, hatte ich sowohl positive als auch negative Erlebnisse mit „meiner“ Herc. Im Laufe der Tests sch wankte ich zwischen verschiedenen Einstellungen dem Produkt gegenüber, dem ich mich durch mehrere Phasen annäherte.
Phase 1: Vorfreude
Als ich vor was-weiß-ich-wie-langer Zeit von Alex Pogansky hörte, dass es bald (!) eine Hercules in Captain Sim Qualität geben würde, war meine Freude groß, denn dieses Flugzeug übte seit meiner Kindheit eine gewisse Faszination auf mich aus. Im Alter von etwa zehn Jahren beschloss ich denn auch, Berufssoldat zu werden. Ich hatte gehört, dass man dort mehr oder weniger kostenlos seinen Flugschein machen könnte, und als Pilot einer Transportmaschine hätte ich nie jemanden töten müssen. Hinzu kam dann auch noch, dass ich noch nie ein Freund von „Düsenjägern“ war. Mein Wunsch wurde schließlich von einer Auswanderung durchkreuzt – an meiner Liebe für große, propellergetriebene Flugzeuge änderte dies jedoch nichts. Erste Screenshots bestätigten meine positiven Erwartungen, und so steigerte sich meine Vorfreude stetig über den langen Entwicklungszeitraum hin. Dabei fiel mir erst am Ende der Entwicklungszeit auf, wie viele Monate tatsächlich schon vergangen waren. Man könnte also mit Fug und Recht ein brillantes Produkt erwarten.
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