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Ende waren die Mönche schuld. Als die Boeing 757, das neueste
Flagschiff aus den Werken in Seattle, an die staatliche Fluggesellschaft
Chinas, Air China, übergeben werden sollte, waren die gar
nicht auffindbar. Um den neuen Maschinen Kraft, Durchhaltevermögen,
Erfolg und (technische) Gesundheit mit auf den Weg zu geben, sollten
zur Einführungszeremonie 50 Mönche bereit stehen. Nicht
nur ihre Anwesenheit, sondern auch der anschließende Taufritus
war also eminent für die Bosse der Airline.
Da konnten es die Oberen gar nicht verstehen, dass die Geistlichen
zum vereinbarten Zeitpunkt nicht eintrafen. Die Warterei zog sich,
bis der Grund von einem Tankstellenbesitzer zu erfahren war, der
extra in die Provinzhauptstadt fahren musste, um einen Abschleppwagen
aufzutreiben. Der Mönchsbus blieb nämlich wegen eines
simplen Kolbenfressers auf der staubigen Landstraße liegen
– die Feierlichkeit musste also schließlich ohne die
Herren aus dem Kloster stattfinden. Das sollte sich später
bitter rächen. Die erste Boeing 757 für Air China kollidierte
wenige Monate später beim Rollen
auf dem Flughafen der vietnamesischen Stadt Hue mit einem Bodenfahrzeug
so heftig, dass die Maschine komplett abgeschrieben werden musste.Einer
anderen 757 erging es nicht viel anders. Sie verhakelte sich beim
Einparken mit dem Leitwerk einer 737 und fiel für lange Zeit
aus. Auch wenn bei beiden Zwischenfällen die Experten von
menschlichem Versagen sprachen, war man sich in der Chefetage
von Air China ziemlich sicher: Die Mönche waren es. In gewisser
Weise ja auch ein Fall von so genannten Human Errors. Ob die Macher
von Phoenix Simulation Software (PSS) auch auf
Mönche gehofft haben, ist nicht bekannt. Waren welche eingeplant,
sind sie wie im obigen Fall definitiv nicht erschienen. Denn die
allerhand Unzulänglichkeiten, kleinen Fehler und großen
Irrtümer lassen auf keinerlei geistlichen Beistand schließen.
Zunächst galt es ungeachtet der Freude über ein Erscheinen
der 757 wie schon beim Release der 777 einige Monate zuvor, herbe
Rückschläge einzustecken. Das betraf übrigens auch
in erhöhtem Maße die Redaktion von FlightXpress. Es
ist normalerweise üblich, dem Hersteller kurz vor dem Erscheinen
seines Produktes schon einmal Interesse an einem Testmuster anzumelden,
d em
dann (nach der Veröffentlichung) die Bitte um ein Exemplar
folgt. Die gesendeten E-Mails wurden schließlich gar nicht
mehr gezählt; es müssen wohl weit über zehn gewesen
sein. Auf keine gab es eine Antwort.
Das ist unprofessionell, aber scheinbar neuerdings Mode bei dem
Team um Graham Waterfield und Robert Kirkland. Auch andere Redaktionen
im In- und Ausland mokierten sich über den miserablen Umgang
und die Nichtbereitstellung von Testmustern. Der Weg über
den normalen Online-Kauf war nicht weniger steinig. Dreimal verweigerte
das System den Erwerb, buchte aber trotzdem fröhlich von
der Kreditkarte ab. Da dies auch Anderen passiert ist, sieht es
ganz danach aus, als sollte PSS auch außerhalb ihres Kerngeschäfts
Hand anlegen. Rückbuchungen unzulässiger Beträge
lassen sich oft schwierig an, besser also, es kommt erst gar nicht
soweit.
Übrigens geht PSS bei der 757 neue Vertriebswege. Es gibt
nicht mehr mehrere Pakete zum Kauf, sondern nur noch ein einziges,
welches alle Varianten der Maschine enthält. Auch alle Bemalungen
werden kostenfrei angeboten, zudem gibt es wie gewohnt bereits
jetzt etliche User-Repaints. Für 30 Pfund, umgerechnet etwa
44 Euro, erhält der interessierte Nutzer also ein prall gefülltes
Komplettpaket und
vermeidet dadurch die aus der Vergangenheit bekannten teuren Nachkäufe
der Wunschbemalungen oder –modelle. Ein echtes Ärgernis
stellt jedoch das anhaltende Fehlen des versprochenen Treibstoffplaners
und Load Editors dar. Es gibt auch keine verworrene Excel-Tabelle,
wie es noch bei der Triple Seven der Fall war, um sich dort im
Notbehelf die korrekten Gewichtsdaten einzufriemeln.
Bis zum Redaktionsschluss stand kein derartiges Tool zur Verfügung,
die Entschuldigungen (oder Ausreden, je nach dem) klingen abenteuerlich.
Am hartnäckigsten hält sich die Mär der Arbeitsüberlastung
und wird zugleich höhnisch im PSS-Forum von erbosten und
enttäuschten Usern zurückgewiesen. Die relativ glaubwürdige
Geschichte machte die Runde, dass PSS wie stets in der Vergangenheit
ihren Releasetermin viel zu früh ansetzten, obwohl das Produkt
noch nicht vollends ausgereift und fertig war. Als die 757 dann
am 2. September aus dem Hangar rollte, hatte man mit der Programmierung
von Fuelplaner und Loadeditor noch gar nicht angefangen und hechelt
nun atemlos den eigenen Versprechungen hinterher. Wie auch immer,
das Nichtvorhandensein zweier wichtiger Hilfsprogramme, die Überheblichkeit
gegenüber Kunden und Redaktionen und ein ganz und gar nicht
fehlerfreies Flugzeug lassen selbst hartgesottene PSS-Fans langsam
zweifeln, ob der Nimbus der Mannen um Waterfield & Co. noch
lange Bestand hat.
Lesen Sie den kompletten Bericht in der aktuellen Ausgabe von
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