Südatlantik mal anders!

Leser sind gut! Da flatterte mir doch ein tolles Bild auf den virtuellen Schreibtisch, zusammen mit dem Hinweis auf eine schöne MD11, die ich noch nicht kannte. Dazu eine Doku und eine Freeware Szenerie über Ascension und die Falkland Inseln. Hmm, zu gut, um nicht einen Nachflieger daraus zu machen! Ähnlichkeit mit existierenden Personen (leider) nur zufällig.

Niemand ist besonders beglückt, wenn um 3 Uhr morgens das Telefon neben dem Bett losgeht. Auch ich nicht. Auch dann nicht, wenn ein alter Freund dran ist. „Hallo, was machste denn gerade?“ fragt der auch noch! „Na was wohl, pennen!“ brumme ich zurück. „Was zum Geier willst Du?“ „Nur ne kleine Frage!“ „George, es ist 3 Uhr morgens!“ „Ja, ja, nun hab Dich doch nicht so. Bist Du current auf der MD11?“ Nun bin ich endgültig wach. „Ja, ich bin noch für ein paar Tage current, dann brauch ich Landungen,“ ist meine Antwort. Seit Juni bin ich nicht mehr geflogen, geht gerade noch. „Ok, wenn Du diese Woche Zeit hast, hätt ich was für Dich. Die Royal Air Force hat eine meiner 11er subgechartert, da ihre Tristars immer noch in der Modifikation sind. Heute Abend nach Falkland und zurück, bist Du dabei?“ „Falkland?“ „Ja, von Brize Norton aus. Der Vogel steht schon dort, ist ex einer Japanischen Bude, die Ferrypiloten haben ihn gestern deponiert.“ „Ich hab aber keine japanische Lizenz!“ „Brauchst Du nicht, sie gehört uns und ist US registriert, steht alles in den Dokumenten.“

Ich überlege einen Moment. Am folgenden Freitag muss ich wieder da sein. „Wo kommt der Rest der Crew her?“ „Co ist Eric Roscoe, solltest Du kennen, die Kabine haben wir in London aufgegabelt, die waren bei der argentinischen Bude, die da hops gegangen ist vor ein paar Wochen.“ Eric war mir natürlich bekannt, wir waren viel geflogen miteinander. „Und alle MD11 current?“ „Na klar. Die Girls kommen heute aus dem MD11 Training, dann kriegst Du noch einen Bordmechaniker von Monarch mit, damit wäret Ihr komplett.“ George gab mir noch alle anderen Details und teilte mir nebenbei mit, dass er mir ein Ticket auf dem 9 Uhr Flug nach Luton gebucht hatte, dort würde ich abgeholt. Toll. Aber wieder mal nen 11er über den Atlantik fliegen und dann noch wohin, wo man sonst nicht hin kommt, das ist zu viel Versuchung. Ich dreh mich nochmals um im Bett, stelle den Wecker, um meinen Flieger nicht zu verpassen und begebe mich nochmals ins Land der Träume.

Am Mittag erreiche ich Brize Norton, eine Royal Air Force Basis nördlich von London. Eric und ich haben uns bereits in Luton getroffen, ich kam aus Zürich, er aus Dublin. Er fliegt dort Business Jets, auch für ihn ist es nicht einfach, wieder einen fliegenden Job zu finden. Die kurze Fahrt benutzen wir denn auch, uns gegenseitig auf den neuesten Stand zu bringen. Er hat einiges erlebt, ich auch, seitdem wir beide den Umstellungen unseres Homecarriers zum Opfer gefallen waren. Umso mehr freuen wir uns auf den neuerlichen gemeinsamen Flug.

In der Base Ops begrüsst uns Cornell Farrar, ein alter Dispatcher aus den USA, wo er für die World International arbeitete. Er hat unsere Flugpläne vorbereitet und auch sonst einige Informationen zusammengetragen. „Also, von hier seid Ihr voll bis zum Stehkragen,“ verkündet er. „Zero Fuel Weight von 184 t, 320 Passagiere, 40 Tonnen Fracht. Flugzeit nach Ascension ist 7 Stunden 34, macht 62 Tonnen Verbrauch, mit Alternate Accra 73.6 Block.“ Ich schaue mir die Intermediates an, Madrid, Marrakesh und Monrovia, Wetter bei allen gut. Abflugzeit ist um 23-00 Lokalzeit, also noch gut Zeit, uns vorzubereiten. Das Landegewicht ist etwas hoch, fast 195 Tonnen. Ascension hat aber eine lange Bahn, über 3 km, also kein Problem. „Weiter geht es dann um 13 Uhr lokal,“ sagt Cornell. Noch 176 t ZFW, 8-37 Flugzeit, Route direkt, Alternates Rio und Buenos Aires, sowie Comodoro Rivianda, der auch gleich Ausweichplatz ist. Die Falkland Inseln liegen weit draußen im Atlantik, es gibt selber nur einen Flugplatz dort namens Mount Pleasant, gebaut nach dem Falkland Krieg 1982. Die isolierte Lage bedeutet auch, dass wir nach dem Start in Ascension länger als 2 Stunden von einem Flugplatz entfernt sind, wollen wir nicht massive Umwege in kauf nehmen. Wir lassen es bei der gewählten Route, nachdem wir erfahren haben, dass auch die RAF hier keine Umwege fliegt.

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