Russland
– unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1966. Männer
fallen sich freudestrahlend in die Arme, als ein 15 Meter langer
Jet mit lautem Fauchen von der Startbahn abhebt und in einen steilen
Steigflug übergeht. Sie haben nicht etwa ihre Ehefrauen zum
Kegelurlaub nach Sibirien verabschiedet – es sind die Konstrukteure
der Yak-40, der neuesten Errungenschaft aus der traditionsträchtigen
Flugzeugschmiede Yakolev. Bereits kurze Zeit später folgten
vier weitere Prototypen, die nur noch in diversen Details verändert
bzw. verbessert werden mussten, denn der ursprüngliche Entwurf
vom Reißbrett war bereits nahezu perfekt. Bedenkt man dabei,
dass zu dieser Zeit noch keine CAD-Programme und aufwändige
Computersimulationen die Arbeit erleichterten, ist die Leistung
der Ingenieure umso beachtlicher, wenn man die relativ kurze Entwicklungszeit
bedenkt. Und es war in
der Tat höchste Zeit für dieses Flugzeug.
In einem Land, in dem es tagtäglich gilt, ungeheure Entfernungen
zu überwinden, ist das Flugzeug das wohl angebrachteste Transportmittel.
Mitte der sechziger Jahre, als der Westen sich bereits an strahlengetriebene
Verkehrsflugzeuge gewöhnt hatte, verkehrten auf dem riesigen
Gebiet der damaligen Sowjetunion noch tausende Li-2 im Passagierverkehr.
Diese Flugzeuge waren ein (entgegen anders lautenden Behauptungen
in einigen Büchern) unerlaubter Nachbau der Douglas DC-3,
und mit Ausnahme der Lufteinlässe an beiden riesigen Kolbenmotoren
und einem zusätzlichen Fenster auf der linken Seite zwischen
der vorderen Tür und dem Cockpit glich die Li-2 der DC-3
wie ein Ei dem anderen. Einer der Chefingenieure der DC-3 war
Russe und verspürte plötzlich so großes Heimweh,
dass ihm vor seiner Heimreise nicht einmal die Zeit blieb, die
Blaupausen aus seinem Aktenkoffer zu nehmen. Es gibt jedenfalls
kein offizielles Dokument von Douglas, das den „Lizenzbau“
genehmigte. Jedenfall s
musste schleunigst ein Nachfolger gefunden werden. Aeroflot, staatliche
Fluggesellschaft und absolut federführend, wenn es um die
russische Luftfahrt betreffende Entscheidungen ging, machte eine
Ausschreibung, und die Yak-40 konnte sich problemlos gegen wenige
Konkurrenten durchsetzen .
Von Aeroflot im September 1968 in den Dienst aufgenommen, hatten
die Flugzeuge bis zum Frühjahr 1973 bereits über acht
Millionen Passagiere auf einer Strecke von 108.000.000nm (200.000.000
Kilometer) befördert, und bis 1976 wurden bereits 800 dieser
Flugzeuge in den Dienst gestellt. Die Yak-80 wurde zum am häufigsten
eingesetzten Linienflugzeug auf Strecken bis 810nm (1.500km).
Bis 1981 wurden 1011 Maschinen ausgeliefert, eine davon an die
Lübecker Fluggesellschaft „General Air“, die
damit Anfang der 1970er Jahre im Auftrag der Lufthansa verschiedene
Regionalstrecken bediente.
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