Deutschland im X-Plane

Über eine treue Fangemeinde kann sich XPlane freuen. Doch Ein- und Umsteiger tun sich mit dem alternativen Simulator von Laminar Research traditionell zunächst schwer: Insbesondere die Szenerie schaut immer noch abschreckend aus. Zwar überzeugt heute wohl auch der nackte FS2004 ohne Mesh, LandKlassen und Straßen mit seiner schlechten Standardszenerie kaum einen Simmer mehr. Aber X-Plane bietet nicht einmal einen verlässlichen kleinsten Nenner für die Landschaftsdarstellung.

Das gefiel dem FlightXPress-Leser Stefan Bien so gar nicht. Und der passionierte Privatpilot machte sich an die Arbeit, ganz Deutschland in hübsch ansehnlicher Form umzusetzen. Die ersten Früchte seiner Arbeit sind nun verfügbar.

Für 30 Euro erwirbt der Simmer im Simmarket das Basispaket für die Szenerie. Neben einer kleineren Fläche im Süden Deutschlands beinhaltet der Download vor allem Texturen. Das Basispaket schlägt mit satten 112 MB zu Buche – wem das zu groß ist, der muss den gegen Aufpreis angebotenen CD-Service von Simmarket nutzen.

X-Plane verwaltet die eigentliche Szenerie nicht in BGL-Files wie der MSFS, sondern in ENV-Dateien. Dabei deckt jedes File ein vordefiniertes Gebiet umfassend mit Straßen, Mesh, LandMarken und Informationen zur Texturplatzierung (LandKlassen sind das bei MSFS) ab. Diese nun nach und nach erscheinenden Szenerieteile von Deutschland können frei von der Homepage www.x-scenery.de heruntergeladen werden – nutzbar sind sie aber eben nur mit dem kostenpflichtigen Basispaket.

Ist dieses gekauft und entpackt, findet sich die Dokumentation. Und die hätte durchaus etwas durchdachter sein können: Zwar sind Readme-Dateien in Deutsch und Englisch vorhanden – die eigentliche Installationsanleitung ist dann für die deutsche Szenerie aber nur auf Englisch da. Verwirrend auch die Anweisungen zum Kopieren der Straßen-Texturen: Für X-Plane 8 hat der in der Anleitung beschriebene Pfad keine Gültigkeit mehr, stattdessen verwaltet X-Plane nun die Straßentexturen an einem anderem Ort in etwas anderer Weise. Auf das Problem angesprochen, wollte Stefan einen neuen Download auf einer Homepage anbieten.

Das X-Germany-Projekt ist keine Fotoszenerie, auch wenn die Screenshots so aussehen. Stefan Bien hat in Handarbeit einzelne Texturkacheln für verschiedene Bodentypen wie „Dorf“, „Feld“, „Wald“… gearbeitet. In X-Planes eigenem und mitgeliefertem Szenerie-Editor, dem „World Maker“ hat Stefan dann nach Vorgabe einer 1:500 000 ICAO Luftfahrkarte den Boden möglichst realistisch mit den Texturen „beklebt“. Da das System so verschiedene Bodenkacheln mehrfach nutzen kann, spart dies eine Menge Systemressourcen.

Der Ansatz ist kontrovers. Denn so schön die Screenshots auch aussehen – einen solchen Realismus wie etwa Aerosofts Real Germany-Serie bietet X-Germany nicht. Zwar sieht die Bodendarstellung wunderschön aus, ein tatsächliches Foto von der jeweils gezeigten Landschaft ist die Darstellung jedoch nicht. Sein eigenes Haus, oder genau die bekannten, kleineren Wäldchen wird der Simmer vor seiner Haustür im X-Plane also weiterhin vergeblich suchen. Wer sich von der Schönheit der Darstellung zum Kauf verleiten lässt, könnte sich damit sehr schnell abwenden, wenn er das Prinzip nicht ausreichend verstanden hat. Andererseits ist die Szenerie schlicht und einfach eins: Sehr schön anzuschauen und dabei performancesparend. Ganz ähnlich arbeitet übrigens die seit Jahren in der Szene beliebte und inzwischen als Freeware verfügbare Italien-Szenerie.

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