| Es
machte „Di-Dang“ und die E-Mail aus Alaska war auf
meinem Bildschirm gelandet. Viel stand nicht darin. Nur eine Zeile,
ein schlichter Satz ohne Ausrufezeichen: „Ich habe es getan.“
Die karge Mitteilung war ein Schmunzeln wert. Natürlich hatte
er es getan, ich hatte es gewusst. Ich hatte damals das kindische
Blinzeln in den Augen des alten Mannes erhascht, als er ihr begegnet
war. So rief ich ihn sofort an. „Ist es die vom letzten
Mal?“, fragte ich. „Nein, es ist eine andere“,
gab er wieder zurück. „Und wann zeigst du sie mir?“,
fragte ich. „Naja, es dauert noch ein bisschen. Aber sonst,
wann du willst“, antwortete er. Es dauerte ein ganzes Jahr,
bis es soweit war. Ich rief ihn noch mal an. „Ich bin Ende
Juni in Redmond, um jemanden zu interviewen. Ich könnte dann
einen Sprung zu dir machen“. Das passte ihm wunderbar. „Ende
Juni? Da bin ich unten in den
Lower States. Ich kann dich in Seattle abholen und
wir fliegen zusammen zurück.“ „Brauchst du wieder
Ballast?“ fragte ich spitz zurück. Aus dem Hörer
kam ein spöttisches Grunzen: „Guten Ballast kann man
immer gebrauchen“, höhnte er. So war es abgemacht.
Samuel „Stein“ Stone höchstpersönlich würde
mich eine längere Strecke kutschieren. „Und wie läuft
es mit der neuen?“ wollte ich wissen. „Ach, die...“
Er machte eine längere Pause. Ich fürchtete schon eine
schlimme Nachricht. Eine schmerzhafte Trennung, vielleicht sogar
ein Unglück oder so in der Richtung. „Es ist eine dumme
Geschichte. Ich erzähle sie dir, wenn wir uns sehen.“
Er legte auf und ich hatte plötzlich ein ungutes Feeling.
Das Treffen klappte perfekt. Das Interview mit einem
Entwickler von Microsoft war im Kasten (kommt
übrigens in einer der nächsten Ausgaben von FlightXPress)
und ich hatte endlich Urlaub. Samuel rief mich aus dem Iowa Municipal
in Iowa City in Iowa an. Für die, die nicht wissen, wo das
ist: Die Stadt und ihr Flughafen liegen direkt am Iowa River.
Er kündigte seine Ankunft in Seattle für den übernächsten
Tag an. Was macht dieser alte Grizzlybär bloß da unten,
rätselte ich.
Neue Liebe rasch verwelkt
Am nächsten Nachmittag machte ich mich auf den Weg nach Renton
und kam nach einigem Hin und Her mit den Sicherheitsfritzen endlich
zum FBO. Samuel war schon da. Zur Begrüßung steckte
er meine Hand in seine Pranken und schüttelte sie heftig.
Offensichtlich wollte er sich versichern, dass meine Hand wirklich
tot war. Zumindest kam es mir so vor. Er grinste dabei. „Freue
mich, dich wieder zu sehen“, sagte er betont trocken und
ließ endlich meine Hand los. Jetzt sah sie wie ein Bund
rohe Bratwürstchen aus. „Zeigst du sie mir endlich?“,
fragte ich. „Ja gut. Komm mal mit“, sagte er mit erstaunlich
wenig Begeisterung.

Beinahe versteckt zwischen zwei T-Hangars stand sie: Eine Cessna
208B Grand Caravan. Es war nicht der „Nasenschleifer“,
mit dem wir im Jahr davor geflogen waren und über die ich
in FlightXPress 3/2004 berichtet hatte. Es war eine ganz andere.
Aber wie sah sie denn aus! Die Farben waren stumpf und verblasst,
überall klebte ein matter Schmutzfilm und der Bauch war so
dreckig, dass man nur widerwillig die Griffe des unteren Containers
angefasst hätte. Ich war sehr überrascht. Samuel hatte
stets seine Flugzeuge wie Juwelen gepflegt. Seine beiden, mittlerweile
nicht mehr fliegenden, Beech 18 waren alt und an mehreren Stellen
repariert worden. Aber ihr Blech hatte immer noch wie bei ihrer
Geburt geglänzt. Und nun so ein Dreckvogel? „Hei, ich
dachte, du hättest dir ein neues Flugzeug zugelegt. Das ist
aber eine Teermaschine!“ „Ja, ein blöde Teermaschine,
du sagst es“, gab er zu. „Und soll ich es dir mal
sagen? Manchmal riecht sie sogar wie eine Teermaschine.“
Damit war es klar: Es war keine Liebe, die Samuel und diese Caravan
zusammenhielt.
Lesen Sie den gesamten Artikel in der aktuellen
Ausgabe von FlightXPress
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