Die 777 von Feelthere/Wilco
Der Billigheimer

Wer zwischen den Stühlen sitzt, hat meist ein echtes Problem. Für welche Seite man sich auch entscheidet, es bleibt nie das Gefühl zurück, wirklich das Richtige getan zu haben. Vor allem geneigte FS-Nutzer, die endlich den Sprung vom Standardcockpit in ein komplexeres schaffen wollen, sind hier zu bemitleiden.

Die tollen Berichte und Bilder von Komplexgranaten wie Level-D oder die 747 von PMDG verlocken ohne Zweifel – allein die Masse an Funktionen schreckt ab. Nur, irgendwie will man doch weiterkommen und nicht in seiner persönlichen FS-Entwicklung stehen bleiben. Eine Zwischenlösung wäre deshalb angesagt: Komplexer als die Standardausgaben von Microsoft, aber noch lange nicht so kompliziert wie oben genannte Add-Ons.

Genau diesen Bedarf möchte Feelthere nun mit ihrer Ausgabe der Boeing 777 abdecken. Die Firma um den nimmermüden Victor Racz befindet sich dabei in guter Gesellschaft. Neben dem Flugzeugpaket von Overland, vorgestellt in der letzten Ausgabe, mischt auch CLS mit ihren Airbussen im Geschäft der Mittelwegs-Flieger kräftig mit. Obschon es einfach klingt, ist genau solch ein Produkt am schwersten herzustellen. Das Ideal sieht dabei so aus: es soll den Anfänger nicht überfordern, dem versierten Anwender aber immer noch genug bieten, um über Tage hinaus mit den Prozeduren beschäftigt zu sein.

Wenn möglich, soll auch der Profi die Maschine für einen Feierabendflug aus dem Hangar holen. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden, wenn tatsächlich dieses Ideal auf manche Maschine zuträfe. Doch leider verzettelt sich der Hersteller oft gewaltig. Vieles ist schon wieder so dermaßen einfach, dass der FS-Profi nur die Nase rümpft. Ein FS-Anfänger wird trotzdem mit falschen Verallgemeinerungen zugeschüttet und lernt entweder nicht richtig oder gar nicht. Ein echtes zweischneidiges Schwert also. Vor allem als FXP-Autor gerät man leicht in einen Gewissenskonflikt. Halten wir es da mit einem leicht abgeänderten Ausspruch: Flusi, Flusi, Flusi, und immer an den Anfänger denken!

Ein Blick auf den Preis des Paketes dürfte aber selbst den gewilltesten Novizen vorerst abschrecken. Happige 34,95 Euro möchte Wilco dafür haben – das ist sehr viel für eine wenig komplexe Maschine. Zum Vergleich: Flight1’s MD80 kostet in der aktuellen Version rund 10 Euro weniger, nämlich 27 Euro. Und dort bekommt der Nutzer ein dickes Ding vorgesetzt! Phoenix verlangt für die 777-200 im Basismodell (die auch von Wilco angebotene Variante) runde 21 Euro – dort muss aber jede Bemalung extra bezahlt werden. Dennoch, für ein auf den Anfängermarkt ausgerichtetes Produkt lässt dieser Preis schwer schlucken.

Wer vor dem berühmten Sprung steht, wird sich das genau überlegen. Hier könnte er mit dem Kauf der Phoenix-Maschine etwa zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Gleichzeitig bekommt er das komplexere Produkt und zahlt im selben Atemzug weniger. Die Lernkurve ist dafür zwar steiler und verlangt auch Rückschläge, hat aber den positiven Effekt, dass der Benutzer sein favorisiertes Flugzeug gleich richtig bedienen darf und vor allem auch später kann. Die Marktausrichtung von Feelthere und Wilco ist also nicht ganz stimmig.

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