![]() |
Ein Stau, wie schön Viel Verkehr am Himmel |
| Was machen eigentlich geniale Programmierer von Zusätzen für den Flight Simulator, wenn sie nicht gerade kryptische Code-Zeilen am Computer eingeben? Und was tun erfolgreiche Webmasters von Flugsimulationsseiten, wenn sie nicht an irgendwelchen interaktiven Spielereien tüfteln? Lange haben wir uns diese Fragen gestellt. Nun kommt die Antwort. Ugo Grandolini (Lago) und Miguel Blaufuks (simflight.com) treffen sich beim Italiener, trinken Wein und grübeln über die Einsamkeit des menschlichen Daseins im Allgemeinen und die des Flusi-Fans insbesondere. Bei einem dieser feuchtfröhlichen Treffen wurde die Idee geboren, mehr Geselligkeit auf den öden Betonbahnen von Flight Simulator erblühen zu lassen. |
![]() |
Natürlich sind nicht alle 3000 Flugplätze von FS98 wirklich verlassen. Hier und dort tauchen auch Cessna, Learjets und sogar Linienflugzeuge auf. Leider aber sind sie von sturen Kamikazen gesteuert. Sie rollen auf einen zu, schneiden den Weg ab, verursachen jede Menge Blechschaden und begehen Fliegerflucht. Nicht wirklich die feine Art. Auf diese Sorte von Geselligkeit verzichten die meisten virtuellen Piloten gerne. Die sowieso ziemlich dürftige dynamische Szenerie bleibt konsequent ausgeschaltet. |
|
Die Wein trinkenden FS-Experten sind einen anderen Weg gegangen: FS Traffic generiert intelligenten und vielfältigen Verkehr, und zwar in der Nähe jedes Flugplatzes der simulierten Welt. Flugzeuge, Hubschrauber, Fahrzeuge und – wenn man will – auch Fallschirmspringer werden von einem Modul gesteuert. FS Traffic ist die dritte sogenannte „active scenery“ von Lago. In The Triangle (siehe FlightXPress 3/99) tauchten UFO auf und Yachten unter. In Mad Dog (siehe FlightXPress 5/99) flogen Passagierflugzeuge brav und vorsichtig vorbei. Mit FS Traffic hat nun jeder Anwender die Möglichkeit, so viele kunterbunte Freunde am Himmel zu sehen, wie er möchte. Das Programm ist Shareware, das 2 MB großes Zip-Archiv kann von der flugs dafür eingerichteten Site (fstraffic.com) geladen werden. Die unregistrierte Version ist 30 Minuten lang nach jedem Start des Flight Simulator voll funktionsfähig. Danach wird der erzeugte Traffic gelöscht. Diese Zeitbeschränkung wird mit der Registrierung – sie kostet 19.90 Euro – selbstverständlich aufgehoben. |
|
|
FS Traffic ist kein selbständiges Programm, sondern wird erst nach dem Start des Flugsimulators aktiviert. Maurizio Gavioli, der eigentliche Programmierer von FS Traffic, hat ein mächtiges und flexibles Werkzeug geschaffen. Die Bedienung des Programms ist zwar leicht, aber nicht gerade intuitiv; deswegen empfiehlt es sich, das 49 Seiten starke Handbuch (als Acrobat-Datei beigelegt) doch zu lesen.
|
|
Bevor man loslegt, muss man die gewünschten Luftfahrtzeuge konvertieren. FS Traffic verwendet nämlich nicht direkt die FS-Flugzeuge, sondern benötigt sie in einem besonderen Format. Das hat den Vorteil, dass man die FS-Flugzeuge, die man zwar nicht selbst fliegen, denen man aber dennoch begegnen will, nach der Konvertierung aus dem Aircraft-Verzeichnis von Flight Simulator entfernen kann. Das Modelle mit animierten Flächen dabei derzeit leider nicht immer korrekt umgewandelt werden ist lästig, aber eine Patch für dieses Problem ist für die nahe Zukunft genauso vorgesehen, wie eine Anpassung an den kommenden FS2000. Beim Konvertieren werden die Flugzeuge außerdem einer von zehn Kategorien – vom Segler bis zum Großraumjet – zugewiesen. Das verhindert, dass ein Jumbo wie ein Hubschrauber landet und eine Cessna 3 km Startbahn benötigt, um abzuheben. Die Kategorien weisen auch einen weiteren Vorteil auf: Wenn die Maschinen mehr als eine Meile vom Betrachter entfernt sind, werden sie nur durch eine sehr schematische Silhouette dargestellt, die für alle Exemplare einer Kategorie gleich ist. Nur wenn sich das Flugzeug genug angenähert hat, wird es in seiner vollen Pracht dargestellt. Auf dieser Weise sinkt die Bildwiederholungsrate nicht zu dramatisch in Keller. Allerdings setzt FS Traffic mindestens ein Pentium 233 voraus. |
|
FS Traffic kann Bewegungen für fast jede Start-und-lande-Bahn automatisch erzeugen die mit einem ILS ausgestattet ist. Außerdem kann jeder virtuelle Pilot seine eigenen „Tracks“, also Bewegungspfade, erzeugen. Er braucht nur den Flugrecorder einzuschalten und zu fliegen. FS Traffic registriert alles – selbst das Ausfahren von Landeklappen und Spoilers – und gibt den Flug mit stets wechselnden Maschinen getreu wieder. |
|
Wenn man will, kann man die Tracks sogar mit den passenden Funkmeldungen ausstaffieren, so dass man den Verkehr nicht nur sieht, sondern auch hören kann. Auf dieser Weise ist es relativ einfach, schnell und zuverlässig eine Vielzahl von Bewegungen zu erzeugen. Diese Daten können dann exportiert und importiert werden, so dass es möglich ist, Tracks abzuspielen, die von anderen Flightsimmern erzeugt wurden.
Beim Abspielen der Traks kann man unterschiedliche Parameter einstellen. Zum Beispiel die Entfernung, in der andere Flugzeuge erscheinen; wie oft ein Track wiederholt wird; wie viele Luftfahrtzeuge maximal gleichzeitig dargestellt werden dürfen oder die Bildwiederholungsrate, die nicht unterschritten werden darf.
Andere Parameter, wie zum Beispiel die Windrichtung, werden von FS Traffic automatisch kontrolliert. Von allen möglichen Landungen und Starts werden nur diejenigen gezeigt, die gegen den Wind gerichtet sind. Die Werte dafür entnimmt das Modul den Wettereinstellungen, egal ob sie per Hand eingetragen oder von einem Abenteuer erzeugt wurden. Wenn es kein Wind weht, kreiert ihn FS Traffic, aber nur für seine internen Berechnungen. Im FS-Wetter herrscht weiterhin Windstille. Außerdem überprüft das Programm, ob Gefahr von Kollisionen droht. In diesem Fall bremst oder stoppt FS Traffic den erzeugten Verkehr, allerdings nur am Boden. In der Luft entfällt diese Kontrolle und der Pilot muss selbst aufpassen, keinen Aluminiumregen zu verursachen.
Mit FS Traffic kann man also recht schnell und zuverlässig einen gigantischen Stau auf den Rollbahnen erzeugen. So groß, dass selbst für die kleine Cessna kein durchkommen ist. Dann bleibt nur eins zu tun: noch eine Flasche Rotwein köpfen und über die Einsamkeit der menschlichen Existenz im Allgemeinen gebührend nachdenken.