Eigentlich war ich ja gewarnt...
Ein Bericht von Hans-Peter Franzen

...durch meine teilweise bösen Erfahrungen mit der F-104 von Captain Sim, die ich im FXP Heft 1/2004 beschrieben habe. Und auch durch die Videos, die Cloud9 schon einige Zeit vor Erscheinen ihrer bemannten Rakete ins Netz gestellt hatte. Dort wird nämlich eindrucksvoll gezeigt, was jedem Piloten blüht, der nicht sanft genug mit dem Steuerknüppel umgeht. Und auch die Tatsache, dass Cloud9 ihren Starfighter in den Versionen vereinfacht, normal und unzuverlässig im MS Flightsimulator zur Verfügung stellt, konnte mich weder davon abhalten, mich schnell für eine Runde um den Block ins Cockpit zu setzen, noch dazu verleiten, zunächst mit dem vereinfachten Flugmodell zu fliegen.

Buchstäblich in letzter Sekunde fiel mir auf, dass sich die Landeklappen nicht fahren ließen, obwohl das Triebwerk unmissverständlich lief, und dass rechts unterhalb der Triebwerksinstrumente die Schutzkappe eines Schalters offenstand. So wollte ich denn doch nicht losfliegen. Das Umlegen jenes unauffälligen Schalters erweckte denn auch diverse Instrumente und auch die Landeklappen zum Leben – wie ich heute weiß, handelt es sich dabei um den el.Masterswitch! Aha – mir dämmerte, dass ich bei „nächster Gelegenheit“ doch mal ins Handbuch schauen müsste.

So, die Landeklappen stehen ja jetzt in der ersten Raste, der Startstellung, die übrigen Bleche bewegen sich auch, sogar sinngemäß, auf geht´s! Sie lässt sich sehr schön rollen, die Bugradlenkung arbeitet angenehm präzise, ohne dabei nervös zu wirken. Beim Bremsen taucht sie tief in die Bugfahrwerksfederung ein und wippt noch zweimal nach, als wäre sie überrascht und erstaunt darüber, dass ich tatsächlich vor dem Start noch einmal anhalte. Irgend etwas lässt mich noch kurz zögern. Ich sitze schließlich in einem Uhrenladen und nicht in einem Glascockpit, da muss ich doch erst einmal ein paar Zeiger sortieren. Wenigstens ist gutes Wetter, mit einer Sicht von Pol zu Pol; ich werde den Platz ohne Zuhilfenahme von Navigationsinstrumenten wiederfinden. Auch eine längere Start- und Landebahn werde ich kaum finden, schließlich habe ich mich auf die Edwards Airbase, California, begeben. Genau wie seinerzeit mit der Captain Sim F-104.

Die wichtigsten Zahlenwerte rufe ich mir noch einmal kurz ins Gedächtnis: Bei 150 Knoten sanft rotieren, auf keinen Fall die Nase mehr als zehn Grad über den Horizont nehmen. Mit dem ersten Zucken des Variometers das Fahrwerk einfahren. Und dann am besten nichts mehr anfassen, ehe nicht mindestens 320 Knoten erreicht sind. Im Januar letzten Jahres ging mir alles viel zu schnell und ich hatte mir damals die Prozedur zurechtgelegt, nicht mit Nachbrenner zu starten, obwohl mich ein Forumsteilnehmer noch gewarnt hatte.

Die Mindestgeschwindigkeit zum Fliegen mit den Klappen in Startstellung liegt bei etwa 210+ Knoten, d.h. darunter sollte man mit den Klappen in Landestellung fliegen. Solange diese 210+ Knoten beim Start noch nicht erreicht sind, bewegt man sich also mit schwerer Maschine auf dünnem Eis, auch wenn es sich nur um etwa eine Sekunde handelt. Genau diese Sekunde muss sich mein Starfighter ausgesucht haben, um vehement zu rollen anzufangen und die Nase in Richtung Erde zu nehmen. Sofortiges Zünden des Nachbrenners hilft nichts, es beschleunigt nur die Drehung der Erde in meiner Windschutzscheibe...Ehe ich an den Schleudersitz auch nur denken kann, sitze ich wieder in meinem Bürostuhl vor meinem Schreibtisch.

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