| Eigentlich
war dieses dreimotorige Flugzeug ganz hübsch geraten und
ich freute mich schon auf die erste gemeinsame Platzrunde. Leider
kam es nicht dazu, das Biest wollte sich nur mit extremer Mühe
in eine sehr, sehr sanfte Kurve legen. Am liebsten flog es nur
gerade aus. Nein, es war keine Ju-52 und auch keine Ford Tri-
Motor, sondern eine seltene De Havilland Drover. Ich mailte den
Autor an und er antwortete: „Es ist halt eine alte, schwere
Lady. Sie ist einfach sehr stabil“. Auch die Kawasaki Ki
61 „Tony“ sah recht manierlich aus und versprach deutlich
mehr Wendigkeit. In der Tat rauschte der japanische Jäger
mit vollem Karacho am liebsten in Steilkurven. Geradeaus flog
er nicht, vielmehr wackelte er ständig hin und her und es
war nicht möglich, seine Flugbahn zu beruhigen. „Tja,
so sind Kampfflugzeuge: sehr nervös und instabil“,
sagte der Designer dieses Modells zu mir. Er hatte wohl noch nicht
davon gehört, dass Kampfpiloten zwar sehr wendige Maschinen
mögen, aber zugleich eine ruhige und stabile Lage zum Zielen
benötigen. Zugegeben, diese Beispiele sind alt. Beide hier
erwähnten Modelle wurden für FS98 entwickelt. Solch
krasse Fehler sind heute nicht mehr so häufig anzutreffen.
Dennoch, es herrscht immer noch eine gewisse Unklarheit darüber,
was eigentlich Stabilität und ihr Gegenspieler, die Steuerbarkeit,
für ein Flugzeug bedeuten. Mit dem ersten Thema werden wir
uns hier ein wenig beschäftigen.
Stability and Control 
Eigenstabilität und Steuerbarkeit bilden die zwei Seiten
ein- und derselben Medaille und beschreiben die Reaktionen eines
Luftfahrzeuges auf gewollte oder ungewollte Änderungen seiner
Fluglage. Egal, ob der Pilot die Querruder betätigt oder
eine Windbö einen Flügel anhebt, die zwei Faktoren „Stability
and Control“ sind stets zusammen im Spiel.
Selbstverständlich streben die Aerodynamiker eine gewisse
Eigenstabilität an. Sie erleichtert dem Piloten die Arbeit,
da dieser nicht ständig die Fluglage überprüfen
und korrigieren muss. Die Flügelstreckung und eine eher größere
Flächenbelastung (das ist das Verhältnis zwischen Gewicht
und Flügelfläche) begünstigen ruhige Flugeigenschaften.
Moderne Kampfflugzeuge mit kurzen Flügeln und großem
Gewicht sind in dieser Hinsicht – trotz der großen
Wendigkeit – recht stabile Flugzeuge. Segelflugzeuge hingegen
eher instabil. Die V-Stellung der Tragflächen (Dihedral),
ihre Pfeilung und auch die Auslegung als Tief- oder Hochdecker
tragen ebenso zu einer stabilen Fluglage bei.
Zu viel Eigenstabilität ist jedoch nicht wünschenswert,
da sie die Steuerbarkeit beeinträchtigt. Ist das Flugzeug
zu „träge“, sind deutlichere und kräftigere
Ruderausschläge notwendig, selbst um kleine Korrekturen vorzunehmen.
Aber auch für die Passagiere ist eine zu ausgeprägte
Eigenstabilität eher lästig, weil ein sehr stabiles
Flugzeug versucht, jede Störung seiner Fluglage schnell und
kräftig zu kompensieren. Dadurch wird der Flug durch Turbulenzen
noch unangenehmer, als er ohnehin ist. Die Ingenieure versuchen
daher, beides zu erreichen: ein gutes Flugzeug muss stabil sein
und zugleich leicht kontrollierbar.
Bei der Zulassung von neuen Flugzeugen wird auf die Steuerbarkeit
großen Wert gelegt. Die Maschinen müssen beweisen,
dass sie in jeder Fluglage beherrscht werden können. Zum
Beispiel schreiben die Vorschriften vor, wie schnell man von 30°
links nach 30° rechts rollen soll. Und zwar ziemlich schnell:
Ein Kleinflugzeug muss es in 5 Sekunden schaffen, ein Commuter
– und das trifft auf die erwähnte Drover ebenfalls
zu – in 10 Sekunden.
Lesen Sie den kompletten Bericht in der aktuellen Ausgabe von
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