Besondere Anflüge: Grand Canyon Airport
"Stoßstange an Stoßstange"

„Number one cleared for takeoff 21, number two taxi onto runway and hold, number 3 taxi onto runway and hold, number one cleared to land runway 21, number two cleared to land runway 21, number three cleared to land runway 21, number two cleared for takeoff 21, number one continue approach, number three cleared for takeoff 21, NUMBER ONE CONTINUE APPROACH!“

Nein, dieser Funkspruch, wie ein Maschinengewehr und ohne jede Atempause gesprochen, war keine Halluzination. Ich habe diesen selbst und mit eigenen Ohren gehört, als ich vor vielen Jahren am Zaun des Grand Canyon Airport mit einem Scanner in der Hand den Flugbetrieb beobachtete. Möglich ist dies durch eine andere rechtliche Grundlage auf Amerikas Flugplätzen, als dies in Europa überhaupt denkbar wäre, die den Sichtflug-Piloten trotz Anweisungen durch einen Flugverkehrsleiter nach wie vor die volle Verantwortung für die Separation auch auf der Start- und Landebahn auferlegt. Obige Szene, etwa gegen 12 Uhr Mittag, resultierte übrigens in keinem Konflikt, übersieht man einmal, dass die anfliegende Number one bereits aufsetzte, bevor die abfliegende Number three rotierte (und daher beide Flugzeuge für rund 5 Sekunden gleichzeitig auf der Landebahn rollten), und die anfliegende Number one zuvor bereits sehr klar den Anflug abbrechen wollte und bereits zum Go-Around rotierte, dann aber vom Controller mit einem Schrei zum Fortsetzen der Landung „überredet“ wurde. Jedem der 6 Flugzeuge wurden dabei weniger als 20 Sekunden auf der Landebahn zugestanden.

Grand Canyon Airport (KGCN) verfügt über eine Landebahn 03/21 mit 9000 Fuß (=2740 Meter) Länge und 150 Fuß (=45 Meter) Breite auf einer Meereshöhe von 6600 Fuß (=2012 Meter). Nur für die Landebahn 03 gibt es ILS, LOC und VOR Instrumentenanflüge, für die Bahn 21 sind keinerlei Anflüge veröffentlicht (nicht einmal Circle to Land Anflüge), dennoch ist die Bahn 21 während 90% der Zeit aktiv, die mit einer Standardplatzrunde nach Sichtflugregeln angeflogen wird, wobei der Turm Platzrunden linker und rechter Hand gleichzeitig benutzt und zuweist.

Die enorme touristische Anziehungskraft des Grand Canyon sowie die Tatsache, dass es kaum andere Zugänge zum Grand Canyon gibt, machen KGCN zu einem der betriebsamsten Flughäfen dieser Erde, der in etwa 10 Stunden Betriebszeit pro Tag rund 900 Starts und Landungen abwickeln muss, davon den Großteil während der Mittagszeit – alleine diese Zahl ergibt, dass für jeden Start und jede Landung im Schnitt nur etwa 40 Sekunden auf der Runway zur Verfügung stehen. Dazu kommt noch, dass der Grand Canyon Airport über kein Radar verfügt, die Flugverkehrsleiter müssen deshalb rein prozedural und mit direkter Sicht arbeiten. Wenn dann allerdings die B737 der Grand Canyon Airways oder ein sonstiger IFR Anflug ankommt, bricht am Flughafen für lähmende Minuten Stille aus, und in der Luft Ungeduld bei den Piloten der anderen anfliegenden Maschinen.

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