Project Canarias 2006
Die Kanaren, wie sie wirklich sind

Ich hörte vor einiger Zeit von einem Mann, der sich torkelnd über die Straßen von Teneriffa bewegte, Bier in der linken, Gin in der rechten Hand, und unentwegt Passanten nach dem „Ballermann“ fragte. Das tat er so lange, bis die Inselverwaltung ein Einsehen mit dem verwirrten Trunkenbold hatte, ihn in ein Flugzeug setzte und nach Mallorca ausflog. Allerdings sah er den berühmt-berüchtigten Strandabschnitt kein einziges Mal. Das Flugzeug drehte nur kurz eine Runde über der Baleareninsel und kehrte danach nach Teneriffa zurück. Kaum gelandet, ging es auf direktem Wege in das Zentralgefängnis. Die Wärter dort pinselten noch schnell „Ballenario“ an die Zellentür, damit sich der Neuankömmling gleich ganz wie zu Hause fühlen konnte.

Diese völlig verquerte Geschichte soll nun den sinnfreien Übergang zu einem Szeneriebericht bieten. Wieder geht es um die Kanaren, diesmal für den FS2004. Project Canarias 2006 heißt das Werk und deckt jenes namensgebende Inselreich östlich vor Afrika in bestechender Qualität ab – alles? Nicht alles. In der vorliegenden Version fehlen die Inseln Fuerteventura sowie Lanzarote. Das ist zwar schade, aber durchaus verschmerzbar, denn die vorliegende Umsetzung bietet Anschauungsstoff für Monate. Zumal beide Inseln in der nächsten Zeit nachgeliefert werden – durchaus ist da auch wieder an Freeware gedacht.

Vor den Genuss des fotorealistischen Addons haben die Götter allerdings erst den Download-Schweiß gesetzt. Zwei ca. 92 MB große Dateien und eine dritte mit knapp 62 MB warten auf die Datenleitung – in Zeiten von DSL kein schwerer Akt, allerdings lassen die Downloadraten von beispielsweise AVSIM in der letzten Zeit stark zu wünschen übrig.

Die drei entpackten Dateien sollten in ein Verzeichnis gesteckt werden, erst dann werden die Dateien quasi noch einmal mit Hilfe eines internen Programms ausgepackt, bevor dann die eigentliche Installation beginnt. Doch genau hier scheiden sich bereits die ersten Geister. Im Flightxpress-Forum berichten einige User, dass das Programm unvermittelt abbrach, teilweise im Kopierprozess, zum Teil schon während der Initialisierung.

Einige Anwender berichteten von komplizierten Vorgängen, die den Simulator durcheinander brachten, diverse Dateien zerstörten oder gleich das ganze Programm zum Absturz brachten. Sämtliche Probleme waren auf zwei zur Verfügung stehenden Rechnern nicht nachvollziehbar. Ich setzte die Szenerie einmal auf einen „nackten“ und einen bereits voll gepackten FS auf – beide Male lief die Installation ohne Probleme durch, beide Male wurden die Kanaren perfekt in den Simulator eingebunden.

Ich möchte nicht so weit gehen zu behaupten, das Problem säße damit vor dem Monitor. Tatsächlich greift Project Canarias tief in den Simulator ein, verändert teilweise ganze Szenerie- und Konfigurationsdateien. Bedingt durch diese Komplexität, aber auch die der vorhandenen Computersysteme, werden gerade solche Schwergewichte nicht immer überall ohne Fehler ablaufen können. Insofern sind Vorwürfe, das Installationsprogramm sei unausgereift und anwenderunfreundlich, nicht im Geringsten nachvollziehbar. Ganz im Gegenteil: Selten sah ich solch eine schicke Routine. Viele der Schritte werden dokumentiert und während die Texturen hin- und hergeschaufelt werden, ertönt feinste Easy-Listening Musik.

Auch der mitgelieferte Scenery Manager ist eine Wucht. Mit einem Klick auf eine der Inseln kann diese entweder dem Flusi hinzugefügt beziehungsweise entfernt werden, zudem sucht das Programm automatisch nach einer vorhandenen Installation der Kanarischen Inseln von Sim-Wings/Aerosoft. Eine ausführliche PDF-Dokumentation enthält überdies zahlreiche Hinweise und Tipps für eine gelungene Einrichtung.

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