Dreamfleet Piper Archer III
Der Bogenschütze trifft wieder ins Schwarze

„Das ist nur ein Cessna-Simulator“, sagt man manchmal etwas abschätzig über die Flugsoftware aus dem Hause Microsoft. Ganz unrichtig ist diese Äußerung nicht, schuld daran ist aber nicht der Riese aus Redmond, sondern der Erfinder vom ursprünglichen Flight Simulator selbst: Bruce Artwick. In den ersten Versionen für Apple, Atari und Commodore flog – nein! - zuckelte eine Piper Archer über das endlos glatte Grün der Szenerie. Als Microsoft eine Version für DOS-Computer bei SubLogic bestellte, packte Bruce Artwick der Ehrgeiz zu zeigen, was sein Programm noch alles konnte. Ein noch schnelleres und komplexeres Flugzeug musste her, und so schwebte die Cessna 182 mit einziehbarem Fahrwerk auf den virtuellen Landebahnen der PCs ein. Ohne diesen Wechsel wäre Flight Simulator heute vielleicht ein Archer-Simulator.

Die geistige Vaterschaft der echten PA-28 Archer geht auf den umtriebigen Flugzeugentwickler John Thorp zurück, der nicht nur für Boeing, Lockheed und andere bekannte Herstellerfirmen arbeitete, sondern auch eine lange Reihe von Kleinstflugzeugen für den Selbstbau entwarf. Erfolgreich war (und ist) insbesondere die Thorp 11 „Sky Skooter“ samt ihrer Derivate. Sie nahm bereits viele Merkmale der späteren Piper 28 vorweg, während die Thorp 18 wohl das erste Leichtflugzeug mit dem damals höchst modernen Pendelruder mit Antiservo-Tabs war. Auch diese Auslegung des Höhenleitwerks floss in den Entwurf für ein neues Modell, das Thorp zusammen mit Fred Weick, dem Chefingenieur von Piper, projektierte. Es sollte die Marktlücke zwischen den bewährten, billigen, aber antiquierten Super Cub, Colt und Tri Pacer und den schnellen, modernen und teueren Comanche füllen und so der Cessna 172 Konkurrenz machen.

Ein Lycoming-Motor mit 160 PS brachte die Piper 28 Cherokee am 10. Januar 1960 zum ersten Mal in die Luft. Aus diesem Ur- Typ verästelte sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte ein beinahe unüberschaubares Wirrwarr aus Versionen und Namen: von dem lahmen Zweisitzer PA-28-140 für den Schuldienst über die gestreckte Challenger bzw. Warrior und die muskulöseren Pathfinder und Dakota mit 235 PS bis hin zur Turbo Arrow mit Einziehfahrwerk, Verstellpropeller und Turbolader. Waren die ersten Cherokees mit den geraden, spöttisch Hershey Bar (Schokoriegel) bezeichneten Tragflächen ausgestattet, wurden ab 1975 die Schwingen an den Enden etwas angespitzt, ohne dabei das Flugverhalten wesentlich zu ändern. Nur die Typennummer ist dabei stets gleich geblieben.

In der Saga der PA-28 nimmt die Archer die Mittelfeldposition mit Triebwerken zu 180 PS und starrem Fahrwerk ein. Die erste dieser Stammlinie war die PA-28-180 Cherokee von 1963, die von der PA-28-180 Challenger und letztlich 1972 von der PA-28-180 Archer abgelöst wurde.

Die Tiefdecker der Firma aus Lock Haven (Pennsylvania) – sie zog später nach Vero Beach in Florida – haben im kristallklaren Monitorhimmel des Cessna-Simulators nie wirklich gefehlt. Mehr oder weniger gute, kostenlose Nachbildungen gab es bei Compuserve und später im Internet immer; und es war die Piper 28 Warrior für FS2000 von Pilots, die gewissermaßen die Welle der kommerziellen General-Aviation-Add-ons in Gang setzte. Später kam von Dreamfleet eine wunderbare Archer II für FS2002, die noch in FS2004 fliegt. Bei Carenado sind aktuell drei verschiedene Versionen des Musters im Angebot (PA-28-180 Cherokee F, Archer II und Dakota) und auch Australian Simulation versuchte ihr Glück mit Warrior II und III. Und nun bringt wieder Dreamfleet eine brandneue PA-28 Archer III für FS2004 auf den Markt.

Das neue Add-on von Dreamfleet bildet eine aktuelle (aber nicht die allerletzte) Ausführung der PA-28-181 Archer III nach, und zwar haargenau die N9277Q von Chuck Roberts. Der ehemalige PanAm-Pilot hatte die Archer II von Dreamfleet kennen- und schätzen gelernt und sogleich den Chef Lou Betti angespornt, doch die neuere Version aufzulegen.

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