| Die italienischen Flugsimulationsfreunde wussten schon, warum sie im vorabendlichen Briefing für einen Wettbewerb aufstöhnten, als der Wettkampfleiter „Reggio Calabria“ als Etappenziel nannte. Kurz darauf verschwanden alle Teilnehmer in ihren Hotelzimmern und waren den ganzen Abend lang nicht mehr gesehen - und trainierten mit hoher Wahrscheinlichkeit den Anflug auf Reggio.
Schon immer faszinierte der alte Flughafen „Kai Tak“ von Hong Kong die Piloten, speziell der „Checkerboard Approach“ war berühmt berüchtigt für seine Schwierigkeit – mit der 45 Grad Kurve in geringer Höhe und einem extrem kurzen Endanflug von nicht einmal einer halben Meile - und die daraus resultierende fliegerische Herausforderung.
Außerhalb Italiens ist jedoch wenig bekannt, dass Reggio Calabria sogar noch höhere Anforderungen an die Piloten stellt. Reggio liegt im Süden auf dem italienischen Festland an der schmalsten Stelle zwischen dem „Stiefel“ und Sizilien und in unmittelbarer Nähe des Ätna. Die reizvolle Küstenlandschaft ist geprägt von Bergen und Hügeln, nur wenig flache Stellen erlaubten die Konstruktion von Landebahnen.
Es verwundert deshalb nicht weiter, dass eine Hügelkette die verlängerte Mittellinie der Landebahn 15/33 kurz vor der Piste 33 kreuzt. Eine gerader Anflug auf die Landebahn 33 ist dadurch nicht möglich, es bleibt auch kein Raum für einen Endanflug. Statt dessen müssen die Piloten die Bahn in einem Winkel von 47 Grad ansteuern (wobei sowohl ein NDB als auch ein Offset Localizer zur Verfügung stehen), und dann mit Hilfe von „Lead In Lights“ im stetigen Sinkflug eine Kurve von 47 Grad in unmittelbarer Bodennähe fliegen, wobei die Kurve erst unmittelbar vor dem Überqueren des Schwelle, also in einer Höhe von nur rund 50 Fuß, beendet wird.
Auf der Hauptlandebahn 15/33 mit 1996 Metern Länge und 45 Metern Breite operieren hauptsächlich die MD-80s von Alitalia sowie ATR42, Fokker 100 und Boeing 737-400 verschiedener kleinerer privater italienischer Airlines im inneritalienischen Verkehr. Aufgrund der üblichen Windrichtung wird zumeist in Richtung Norden, also auf der Piste 33 gelandet und gestartet.
Wir erproben unser fliegerisches Können gleich anhand eines Fluges mit unserer MD-83 von Salzburg nach Reggio. Etwa 100 nm vor Reggio gibt uns Center zum Sinkflug auf Flugfläche 100 frei und kündigt an, dass wir den Standardanflug PIGER 1B erwarten können. 70 nm vor Reggio hören wir ATIS ab, die Sichtbedingungen sind gut und es ist windstill. 30 nm vor Reggio werden wir an den Approach übergeben.
Wie nicht anders zu erwarten war, werden wir für den Standardanflug (STAR) PIGER 1B freigegeben, verfolgen also weiter den Radial 156 des VORs RCA und sinken gerade beim Passieren des Wegpunktes PIGER bei DME 30 RCA durch Flugfläche 120. Wir beginnen, unsere Geschwindigkeit auf 250 KIAS zu reduzieren.
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