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Zuerst einmal: EROPS oder ETOPS?
Seitdem ich im Artikel zum Flight Operation Center 2000 von ETOPS
gesprochen habe, erreichten mich unzählige e-mails mit Korrekturen,
es heiße heute nicht mehr ETOPS sondern EROPS und vice
versa. Die Meinung in Profikreisen, welches der Kürzel nun
gilt, ist etwa 50/50. Um es kurz zu machen: Im Europäischen
Raum gilt heute EROPS, denn so will es unsere JAA (Joint Aviation
Authority). Das Kürzel heißt hier Extended Range Operation.
Früher und auch in den USA ist jedoch der Begriff ETOPS nach
wie vor vorherrschend, was heißen will Extended Twin Operation.
Der Hauptunterschied zwischen EROPS und ETOPS ist also die Benamsung
und die Tatsache, dass EROPS sich dem Namen nach nicht auf zweimotorige
Flugzeuge beschränkt, eine Tatsache, die zur Zeit nur in den
obersten Policy-Foren der Airlines für gerunzelte Augenbrauen
sorgt, aber dazu später mehr. Da wir uns hier in Europa befinden,
will ich mich an den Begriff EROPS halten, aber wie gesagt, Prinzip
und Bedeutung sind nahezu gleichwertig.
Am Anfang war die FAA
.
Extended, das heißt ja erweitert. Nur, erweitert von was?
Um das zu erklären, bedarf es ein wenig Geschichtsunterricht.
Vor dem 2. Weltkrieg war die Nordatlantikfliegerei in den Kinderschuhen.
Die meisten der regulären Linienflugzeuge hatten vier oder
mehr Motoren, oder es waren sogar Flugboote, denen eine eventuelle
Wasserlandung eh nichts ausmachte. Die Landflugzeuge hatten Reichweiten,
die sie oft zu Zwischenlandungen nötigten, so waren auf dem
Nordatlantik Flugplätze wie Shannon, Gander und Reykjavik eigentlich
fast normale Zwischenstops. Andere Strecken, wie etwa diejenigen
in den Fernen Osten, verliefen meist über Land oder zumindest
entlang der Küste. Einzig auf und über den Pazifik hatte
man viel Wasser zu bewältigen, man flog aber trotzdem nach
Hawaii, nach Midway und anderen Inseln, ohne sich viele Gedanken
über Motorausfälle zu machen, schließlich hatte
man immer mindestens noch 3 weitere Motoren.
Während des Krieges kam der zivile Luftverkehr praktisch total
zum Erliegen, aber die Technik machte gewaltige Fortschritte. So
war es nicht verwunderlich, dass im unmittelbaren Nachkriegsverkehr
auch diverse zweimotorige Flugzeuge, wie die DC3, Convair 440 und
wie sie alle hießen, auch über Wasser oder unwirtlichen
Landstrecken eingesetzt wurden, wo ihnen nicht jederzeit ein Notlandeplatz
zur Verfügung stand. Die FAA begann sich zu fragen, wie viel
Zeit ein Flugzeug mit einem ausgefallenen Motor noch fliegen sollte,
bis ein Ausweichplatz zwingend erreicht werden müsste. In den
50er Jahren begann die FAA also, Regeln für den Betrieb von
den damaligen Kolbenmotorflugzeugen aufzustellen. Unter FAR 121.161
wurde festgelegt, dass zweimotorige Flugzeuge von jedem Punkt einer
Route aus in der Lage sein sollten, innert 60 Minuten mit einem
Motor einen Ausweichflugplatz zu erreichen. Diese Regel hat sich
als Grundlage bis heute erhalten. Die ICAO hatte zu diesem Zeitpunkt
offenbar bereits mehr Vertrauen in die Technik und empfahl eine
Zeit von 90 Minuten mit allen Motoren. Diese flexiblere Lösung
wurde von den meisten Luftämtern außerhalb der USA angenommen
und zur Regel gemacht, während die USA auf den 60 Minuten beharrte.
In den 80er Jahren machten die damaligen neueren Jets große
Fortschritte in Punkto Zuverlässigkeit ihrer Motoren und Systeme.
Waren die DC10 und Tristar Flugzeuge wegen eben dieser Zuverlässigkeit
oder auch dem mangelnden Vertrauen der Airlines und der Passagiere
in zweimotorige Flugzeuge mit noch 3 Triebwerken ausgerüstet
worden, schaffte Airbus 1974 mit der A300 vollendete Tatsachen und
setzte einen Trend zum Grossraumtwin. Kurt darauf folgte Boeing
prompt mit der 757/767-Serie. Nun wollten die Airlines diese Jets,
die durchaus Interkontinentalreichweite haben, auch auf Langstrecken,
vor allem über den Nordatlantik einsetzen. Die 60-Minutenregel
war ihnen dabei aber ein massiver Klotz am Bein, denn sie zwang
die Twinjets auf große Umwege. Nimmt man als Beispiel den
Nordatlantik, so müssen die Flugzeuge einer Route folgen, die
sie durch die 60-Minuten Kreise von Shannon oder Prestwick, Keflavik,
Söndreströmfjord (oder Kangerlussak, wie es heute heißt)
und Goose Bay in Kanada führt. Diese Streckenführung ist
nicht nur viel länger als die direkte Route, sie kann dazu
noch sehr unvorteilhaft sein, wenn die Winde ungünstig liegen.
Die Airlines unternahmen folglich Anstrengungen, um die Einschränkungen
der 60- bzw. 90-Minutenregeln loszuwerden. Das Ziel war, die Limits
für die zweimotorigen Flugzeuge so weit wie möglich zu
strecken, also die Zeitlimits für das Erreichen eines Ausweichflugplatzes
mit einem Motor auf möglichst große Zeiträume auszudehnen.
Man wollte die 60 Minuten Range der Flugzeuge mit einem
Motor extenden, also eine Extended Range Twin
Jet Operation ins Leben rufen. ER/TOPS war geboren.
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