France VFR: St.Martin / St. Barthélemy
Karibischer Cocktail

Was in der Europäischen Union erst seit ca. 50 Jahren der Fall ist, gibt es auf der Insel St. Martin schon seit 1648. Zwei Nationen leben friedlich nebeneinander, teilen Wirtschaftsraum und Einnahmen aus Handel und Tourismus und gestalten, da alle im selben Boot sitzend, die Zukunft ge- meinsam. Knatsch gibt es trotzdem immer mal wieder: Das liegt vor allem an der unge- rechten Größenverteilung. Der französische Teil ist größer als jener niederländische und beansprucht in schöner Regelmäßigkeit Inselgruppen, die eigentlich dem Mitbewohner gehören. Auch für den Touristen wird’s kom- pliziert. Während er im Teil der Grande Nation mit dem Euro zahlt, verlangt die Tulpen- und Käsefraktion entweder Dollar oder den Antillen-Gulden. Und dann gibt es da auch noch diesen Freihafen: weder Steuern noch Zoll werden erhoben. Das erfreut vor allem Tanktouristen, die noch ein bisschen Sprit in den Lungen brauchen - der geneigte Mallorca- Urlauber wird sich also auch in der fernen Karibik wohl fühlen.

Dass nun ausgerechnet die Franzosen von FranceVFR jene Mischmasch-Insel umgesetzt haben, überrascht nicht. Zusätzlich steckt noch St. Barthélemy im Paket - die steht wiederum vollständig unter der Fuchtel der Trikolore. Für 19,80 Euro gibt es die Szenerie bei simmarket.com. Nach dem Herunterladen der gut 50 MB großen Datei und Installation nebst Codeeingabe macht sich die erste Enttäuschung breit. Zwar findet sich wie gewohnt eine professionelle, wenn auch kurze, PDF-Anleitung im Startmenü wieder. Doch beim Kartenmaterial muss man auf die sonst so gute Auswahl verzichten. Für den berühmt-berüchtigten Princess Juliana Airport (ICAO-Code TNCM) auf St. Martin werden erst gar keine Charts mitgeliefert, die Kartensammlung der anderen Flughäfen ist nicht komplett.

Die Szenerie erweist sich nach dem Aufruf als nicht gerade spektakulär. Das liegt vor allem an Microsoft. Denn die Region um die Karibikinsel wird mit den MS-Bordmitteln ohnehin schon sehr hübsch dargestellt und so stellt sich natürlich die Frage, ob es da unbedingt noch einer zusätzlichen Szenerie bedarf. Der Unterschied ist nämlich kaum auszumachen. Genauer noch: gerade in der Paradedisziplin der fotorealistischen Texturierung gefällt das Werk von FranceVFR überhaupt nicht. Trotz der Verwendung von Luftaufnahmen wirken die Bitmaps am Boden verwaschen und auch aus gewisser Höhe viel zu matschig. Ansiedlungen verschwimmen zu einer weißen Masse ohne Strukturierung und selbst die Bestückung mit reichlich Autogen-Objekten macht die Landschaft nicht schöner. Mehr Mühe wäre zudem in der direkten Flughafenumgebung möglich gewesen. Die Bergstraße auf St. Barth, die man im Steilanflug beinahe touchiert, ist kaum zu erkennen und nur mit einer Handvoll statischer Fahrzeuge bestückt. Dynamischer Verkehr wäre reizvoller. Zweites Beispiel: Maho Beach wurde im Gegensatz zum Werk von Microsoft kaum aufgewertet. Der Zaun fehlt, die wenigen Schirme und Jetskis stehen plump umher. Vielleicht waren sich die Autoren der nicht ganz stimmigen Umgebungsszenerie bewusst und haben deshalb auch – ungewöhnlich für FranceVFR – Flughäfen ins Programm genommen. Die Gestaltung trägt solide, wenn auch keine überragenden Züge. Schön zunächst die nette Texturierung der Gebäude, deren gezeichnete Bitmaps auch hier und da gute Schatten- und Schmutzeffekte zaubern. Auch die Modellierung der Häusermodelle ist gar nicht schlecht. Hier können vor allem das neu erbaute Terminal des Airports St. Martin und die idyllischen Abfertigungsgebäude auf St. Barth punkten.

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