Angriff auf ein Denkmal
Ob Lagos neues "Maddog MD80 2004" seinem großen Namen gerecht werden kann ...

... untersucht Martin Georg

„Darf“ man „Vom Winde verweht“ neu verfilmen? Wie viel vom VW Käfer kann noch in einem Beetle stecken? Was bleibt noch von „Die Brücke am Kwai“ ohne Alec Guiness???

Diese Fragen stellen sich immer wieder, wenn man versucht, einen Klassiker neu aufzulegen. Nun ist Lago an der Reihe, sich dieser Aufgabe stellen zu müssen. Und man hat sich wirklich so ziemlich die höchstmögliche Hürde aufgestellt: Eine Neuauflage des absoluten Flugzeug- Klassikers „Mad Dog“.

Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass für fast jeden der „Längergedienten“ unter uns Flusi-Fans die MD-80 von Lago im FS98 der Einstieg in das ernsthafte Fliegen mit einem Airliner war. Zum ersten Mal musste man sich an Prozeduren halten, ein Handbuch lesen, Checklisten abarbeiten, nach Tabellen und Listen fliegen. Zwar gab es zu FS98-Zeiten im verrückten Hund noch kein modernes Navigationssystem (FMC), doch schon damals waren ein Thrust Rating Computer und ein Flight Level Change Modus implementiert. Und wer von uns erinnert sich nicht noch daran, dass man gebannten Blickes auf die „Boarding Progress“ Anzeige schaute, während mit sanfter Stimme im Hintergrund die Purserette die Paxe aufforderte, ihr Gepäck sicher zu verstauen? Ach ja, damals ...

Aus – Vorbei!!! Spätestens mit dem FS2002 waren die Zeiten der fauchenden JTD-8 Triebwerke vorüber, war nichts mehr von der mechanischen Stimme des Annunciators oder dem Rasseln des Autotrim im Flusi zu hören. Andere Produkte setzten die Trends, PIC B767 oder die B747 von PSS wurden neue Meilensteine der Entwicklung. Um Lago´s MD-80 wurde es still – bis, ja bis letztes Jahr angekündigt wurde, dass man den Urvater aller Airliner im MSFS wieder neu auflegen wolle. Und dann war es sofort wieder da, das alte Kribbeln im Bauch, der Drang, die „alten Zeiten“ im Flusi wiederkehren zu sehen. Aber geht das? Kann Maddog 2005 diese Ansprüche überhaupt erfüllen, das Flair wieder zurückbringen, die Glanzzeiten der frühen Jahre noch mal auferstehen lassen? Ich gebe zu, ich war mehr als skeptisch, als ich an dieses Review heranging.

Ein schlechter Start für den Altmeister ...
Eigentlich müsste man doch davon ausgehen, dass eine Firma mit dem Erfahrungsschatz von Lago mittlerweile Routine in der Abwicklung eines Produktreleases haben müsste. Aber wenn man sich den Start von Maddog am 31. Januar 2005 anschaut, bekommt man doch ernsthafte Zweifel. Schon wenige Stunden nach dem Verkaufsstart füllten sich die Foren mit ärgerlichen Beiträgen, etliche Bugs wurden gemeldet, SIDs und STARs für das FMC lagen nicht vor, und die Handbücher kamen überhaupt erst einen Tag später. Und überhaupt – die Handbücher: Dass Lago eine italienische Firma ist: schön und gut. Aber müssen deswegen auch die Handbücher gleich komplett in italienisch sein??? Immerhin, mit etwas Verzögerung hat man reagiert: Inzwischen gibt es die Dokumentation auch auf Englisch, und seit gestern (Dienstag, 8. Februar) ist ein Patch auf Version 1.10 verfügbar, der mit 25MB Umfang nicht gerade klein ist und schon so den einen oder anderen Bug behebt. Trotz alledem bleibt erhebliches Stirnrunzeln zurück: Als „gelungen“ kann man diesen Produktlaunch sicherlich nicht bezeichnen. Und was die Dokumentation angeht: Sie wird sicherlich keinen Preis für das aufwändigste, detailgenaueste oder umfangreichste Handbuch gewinnen – gut gemacht und praktisch zu lesen aber ist sie auf jeden Fall (auch wenn ich kaum ein Wort italienisch kann, habe ich doch die Funktion der „Boarding Simulation“ herausgefunden. Aber dazu später mehr ...).

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