| „Darf“
man „Vom Winde verweht“ neu verfilmen? Wie viel vom
VW Käfer kann noch in einem Beetle stecken? Was bleibt noch
von „Die Brücke am Kwai“ ohne Alec Guiness???
Diese Fragen stellen sich immer wieder, wenn man versucht, einen
Klassiker neu aufzulegen. Nun ist Lago an der Reihe, sich dieser
Aufgabe stellen zu müssen. Und man hat sich wirklich so ziemlich
die höchstmögliche Hürde aufgestellt: Eine Neuauflage
des absoluten Flugzeug- Klassikers „Mad Dog“.
Man kann wohl ohne Übertreibung sagen, dass für fast
jeden der „Längergedienten“ unter uns Flusi-Fans
die MD-80 von Lago im FS98 der Einstieg in das ernsthafte Fliegen
mit einem Airliner war. Zum ersten Mal musste man sich an Prozeduren
halten, ein Handbuch lesen, Checklisten abarbeiten, nach Tabellen
und Listen fliegen. Zwar gab es zu FS98-Zeiten im verrückten
Hund noch kein modernes Navigationssystem (FMC), doch schon damals
waren ein Thrust Rating Computer
und ein Flight Level Change Modus implementiert. Und wer von uns
erinnert sich nicht noch daran, dass man gebannten Blickes auf
die „Boarding Progress“ Anzeige schaute, während
mit sanfter Stimme im Hintergrund die Purserette die Paxe aufforderte,
ihr Gepäck sicher zu verstauen? Ach ja, damals ...
Aus – Vorbei!!! Spätestens mit dem FS2002 waren die
Zeiten der fauchenden JTD-8 Triebwerke vorüber, war nichts
mehr von der mechanischen Stimme des Annunciators oder dem Rasseln
des Autotrim im Flusi zu hören. Andere Produkte setzten die
Trends, PIC B767 oder die B747 von PSS wurden neue Meilensteine
der Entwicklung. Um Lago´s MD-80 wurde es still –
bis, ja bis letztes Jahr angekündigt wurde, dass man den
Urvater aller Airliner im MSFS wieder neu auflegen wolle. Und
dann war es sofort wieder da, das alte
Kribbeln im Bauch, der Drang, die „alten Zeiten“ im
Flusi wiederkehren zu sehen. Aber geht das? Kann Maddog 2005 diese
Ansprüche überhaupt erfüllen, das Flair wieder
zurückbringen, die Glanzzeiten der frühen Jahre noch
mal auferstehen lassen? Ich gebe zu, ich war mehr als skeptisch,
als ich an dieses Review heranging.
Ein schlechter Start für den Altmeister ...
Eigentlich müsste man doch davon ausgehen, dass
eine Firma mit dem Erfahrungsschatz von Lago mittlerweile Routine
in der Abwicklung eines Produktreleases haben müsste. Aber
wenn man sich den Start von Maddog am 31. Januar 2005 anschaut,
bekommt man doch ernsthafte Zweifel. Schon wenige Stunden nach
dem Verkaufsstart füllten sich die Foren mit ärgerlichen
Beiträgen, etliche Bugs wurden gemeldet, SIDs und STARs für
das FMC lagen nicht vor, und die Handbücher kamen überhaupt
erst einen Tag später. Und überhaupt – die Handbücher:
Dass Lago eine italienische Firma ist: schön und gut. Aber
müssen deswegen auch die Handbücher gleich komplett
in italienisch sein??? Immerhin, mit etwas Verzögerung hat
man reagie rt:
Inzwischen gibt es die Dokumentation auch auf Englisch, und seit
gestern (Dienstag, 8. Februar) ist ein Patch auf Version 1.10
verfügbar, der mit 25MB Umfang nicht gerade klein ist und
schon so den einen oder anderen Bug behebt. Trotz alledem bleibt
erhebliches Stirnrunzeln zurück: Als „gelungen“
kann man diesen Produktlaunch sicherlich nicht bezeichnen. Und
was die Dokumentation angeht: Sie wird sicherlich keinen Preis
für das aufwändigste, detailgenaueste oder umfangreichste
Handbuch gewinnen – gut gemacht und praktisch zu lesen aber
ist sie auf jeden Fall (auch wenn ich kaum ein Wort italienisch
kann, habe ich doch die Funktion der „Boarding Simulation“
herausgefunden. Aber dazu später mehr ...).
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