| Von JustFlight erwartet man normalerweise üppige Add-ons bekannter Flugzeuge oder Szenerien. Neu gesellt sich seit ein paar Wochen ein Hubschrauber hinzu: Der „Flying Club Schweizer 300 CBi“. Bereits durch die ersten Screenshots machte ich mir einige Hoffnungen, die größtenteils erfüllt wurden, was man schließlich nicht von jedem Preview behaupten kann.
Zur vorsorglichen Entwirrung nenne ich dieses Modell der Schweizer Aircraft Corporation fortan S300CBi. Schweizer? Natürlich stammt der Heli nicht aus der Heimat der Emmentaler und Alphörner. Es ist ein Teil amerikanischer Luftfahrtgeschichte, und was für einer: Im Dezember 1999 feierte die Firma Schweizer Aircraft ihr 60- jähriges Bestehen. Das Besondere daran ist nicht nur das Alter, sondern dass es zugleich der älteste Luftfahrzeughersteller in reinem Privatbesitz in den Vereinigten Staaten (und wohl weltweit) noch ist. Die drei Schweizer- Brüder, Ernie, Paul A. und William Schweizer, 18, 17 bzw. 12 (!) Jahre alt, bauten und flogen 1930 ihren ersten Gleiter, den SGP-1-1. Und: Die Kosten des Gleiters betrugen lediglich 135 Dollar (dafür bekommt man h eute kaum ein neues Betriebshandbuch). Die Firmengründung als „Schweizer Metal Aircraft Company“ erfolgte bereits 1937.
Zwei Jahre später zog das Unternehmen an den heutigen Firmensitz Elmira und wurde in die seit damals geltende Firma Schweizer Aircraft Corporation umbenannt. Im gleichen Jahr übrigens vollbrachte der emigrierte „Vater“ des Helikopterflugs, Igor Sikorsky, den ersten kontrollierten Helikopterflug. Die Schweizer Corporation produzierte über 5700 Luftfahrzeuge und wurde zu einer der führenden Zulieferfirmen der amerikanischen Flugindustrie. Das Jahr 1949 war für Schweizer ein Wendepunkt: Sie erhielten den ersten Auftrag von Bell Helicopters, Teile der Zelle des damals erfolgreichsten Serienhelikopters der Welt zu bauen: der Bell47. Dabei blieb es für 50 Jahre.
Das Unternehmen etablierte sich als äußerst erfolgreicher Zulieferer von Flugzeugteilen vieler bekannter Maschinen aus dem zivilen wie militärischen Sektor. 1983 gelang Schweizer die entscheidende Vereinbarung mit Hughes Helicopter, womit dieser die Lizenz für Herstellung und Support für den damals als Hughes 269 bzw. 300C an Schweizer verkaufte. Damit war der Schritt in die eigenständige Herstellung von Helikoptern geschafft. Im Juni 1985 wurde ein Schweizer 300C mit Schwimmern auf dem berühmten Forschungsboot „Calypso“ des Ozeanforschers und Tauchpioniers Jaques Cousteau für Entdeckungs- und Fotoflüge eingesetzt und durch die von Cousteau produzierte Dokumentations-Serie international bekannt. Der Erfolg der S300-Serie blieb ungebrochen. 1986 wurden dann die vollständigen Rechte an Produktion und Verkauf des verbesserten Modells 300C von der McDonnell Douglas, zu dessen Konsortium die Hughes inzwischen gehörte, gekauft.
Die Wurzeln des Hughes 300
Der Name Howard Hughes dürfte ja jedem Aviatik-Interessierten ein Begriff sein und die Geschichte dieses ebenso exzentrischen wie genialen Aviatik-Pioniers, Ingenieurs und Visionärs würde Bände füllen. Das Luftfahrt- Unternehmen Hughes Aircraft war nur eines der zahlreichen Unternehmen des wohl umstrittensten Flugzeugbauers seit den Wright Brüdern. Anfang der 50er Jahre zeigte sich anhand von Marktanalysen der damaligen Hughes Tool Company, dass nach wie vor eine Nachfrage für mit Kolbenmotoren betriebene, leichte Helikopter im zivilen wie militärischen Sektor bestand. Allen voran die US Air Force, die sich nach einem Nachfolger für die leicht betagten Bell 47 umsah. Dieser sollte leicht, robust, einfach und günstig im Unterhalt sowie ideal für die Pilotengrundausbildung sein. Für Hughes war die Zeit also reif für eine Neuentwicklung.
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