| Die Firma war größer geworden. Amberwolf Aviation hatte zwei weitere Caravan angeschafft, die nun ständig im Einsatz waren. Die alten Hangars aus Wellblech erschienen der Versicherung für die nagelneuen Prachtstücke ungeeignet und wurden durch zwei helle und komfortable Gebäude ersetzt. Neue Piloten und Mechaniker waren eingestellt worden. Frühmorgens und am späten Abend herrschte große Hektik im kleinen Büro am östlichen Rand vom Flughafen Front Range in Denver.
Auf der Rampe jaulten die Turbinen, die Propeller ratterte n ungeduldig, die elektrischen Gabelstapler rasten pfeifend hin und her und die Lieferwagen brausten mit blinkenden Lichtern wie auf einer Gangsterjagd davon. Front Range brummte und die Flughafenleitung kündigte fröhlich an, demnächst einen Kontrollturm bauen zu wollen. Alles ging schneller - und unpersönlicher auch. Alle zwei, drei Monaten sah man neue Gesichter auf dem Vorfeld. Sie redeten ständig von „Turbine time“, „Part 135 Operations“ oder „Crewmember Qualifications“. Kaum hatte ich geschafft, mir ihre Namen im Gedächtnis einzuprägen, schon hatten sie genug Flugstunden gesammelt, um bei größeren Carriers anzuheuern. Sie verschwanden und neue Piloten mit frisch abgestempelten Lizenzen und Berechtigungen tauchten auf.
Mich trafen diese ganzen Veränderungen nur am Rande. Ich war sowieso dazu verdonnert, Tag ein Tag aus mit der kleinen, alten Skylane über die Rockies hin und her zu hopsen. Nicht die Turbinenstunden und die Ratings im Logbuch bereiteten mir Sorgen, eher die Turbulenzen und schlechtes Wetter in den Bergen. Immerhin hatte der Chef meine Gebete erhört und endlich, endlich ein EGT in die Mühle einbauen lassen. Ich flog und flog und war zufrieden.
Leider war der Fortschritt unaufhaltsam und so kam es, dass eines Tages ein fremd aussehender Mann auf der Ostrampe von Front Range stand. Ed, der Chef von Amberwolf Aviation, schien sich prächtig mit ihm zu unterhalten und nannte ihn Navman. Mit seinem gepflegten Schnurrbart, den klaren Augen und den gediegenen Manieren erinnerte er mich irgendwie an einen britischen Marineoffizier in Frührente. Er trug aber einen französisch klingenden Namen und war in Wirklichkeit ein Holländer. Ich sagte nur „hi!“, stieg in meinen kleinen Japaner ein und wollte schnell zu meinem Bett. Und da sah ich, wie der Chef dem Fremden die Cessna 182 zeigte. Dieser hörte und sah aufmerksam zu, nickte vornehm mit dem Kopf und pickte mit einem Stift wie im Takt auf den Bildschirm seines Laptops. Das alles roch nach turbokapitalistischer Rationalisierung und mir schwante nichts Gutes.
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