| Kampfflugzeuge
sind schwer in Mode. Glauben Sie es nicht? Dann werfen Sie mal
einen Blick auf die Hitparade von FlightSim. In den vergangenen
zwölf Monaten standen viele bekannte und einige ziemlich
unbekannte Militärmaschinen ganz oben auf der Wunschliste
der Fans. Keine Frage, immer mehr virtuelle Piloten suchen den
besonderen Kick, donnernd und rauchend durch den Himmel zu rasen.
Es verwundert also nicht, wenn immer mehr Produzenten auf dem
Trend reiten und Kriegsgeräte en masse liefern. Nun reiht
sich auch Aerosoft in die Truppe ein. Und ausgerechnet die zivilisierten
Leuten im friedlichen Paderborn rollen aus dem Hangar die tödlichste
Berta, die jemals geflogen ist: die Republic/Fairchild A-10 Thunderbolt
II.
Der Donnerkeiler
Die
A-10 ist wahrlich kein schöner Entwurf, nicht umsonst wird
sie von den Piloten „Warthog“ (Warzenschwein) oder
einfach „Hog“ genannt. Sie wartet auch nicht mit interessanter
Technik oder einmaliger Ausstattung im Cockpit auf. Ebenso besitzt
sie nicht den Glamour oder den historischen Ruhm von anderen Kampfflugzeugen.
Das einzige, was Hog-Drivers sagen können, ist: Sie haben
das dickste Schießeisen. Daher kann man nur rätseln,
warum die Entwickler um Mathijs Kok ausgerechnet dieses Muster
für den militärischen Einstand von Aerosoft ausgewählt
haben.
Dieses klobige Flugzeug wurde rund um seine Hauptwaffe gebaut:
die GAU 8 Gatling Avanger. Die Revolver-Kanone mit sieben Läufen
wütet mit unglaublich zerstörerischer
Feuerkraft: Mit dem schnellsten Takt wirft sie über 4.000
30 mm Geschoße pro Minute auf das Ziel. Unter anderem verwendet
sie Projektile mit einem Kern aus verarmtem Uran. Das schwach
radioaktive Metall wird nicht wegen seiner Strahlung, sondern
wegen seiner schweren Masse verwendet. Außer der Kanone
kann die Thunderbolt II - so wie ihre Namenspatin, die P-47 aus
dem Zweiten Weltkrieg - eine schiere Unmenge an Bomben, Raketen,
Spezialmunitionen und Treibstofftanks unter den Tragflächen
mit sich nehmen. Die sparsamen Turbofans geben ihr eine große
Reichweite selbst in niedriger Höhe, während die üppig
dimensionierten Steuerflächen dem schwer bewaffneten Raubvogel
die Wendigkeit eines Spatzes verleihen. Das alles macht die A-10
zum effizientesten Dosenöffner seit der Erfindung vom Eisernen
Vorhang. Sie wurde schließlich Ende der Sechziger Jahre
für den Einsatz in niedrigster Höhe als Panzerbrecher
auf den Schlachtfeldern Europas und Vietnams konzipiert.
Flug durch den Datensmog
Wie
es mittlerweile Sitte ist, wurde die A-10 Warthog zuerst als Download-Produkt
herausgebracht. Die Retail-Version mit Pappschachtel und gedrucktem
Handbuch, die hier nun besprochen wird, ist nach der obligaten
Fehlerkorrektur mit Patch 1.01 erschienen. Die Installation ist
wie üblich für Aerosoft-Flugzeuge unproblematisch. Diesmal
wird auch höflich nachgefragt, ob man den nutzlosen Aerosoft-Eintrag
in der Menüleiste von Flight Simulator haben möchte.
Danach machen sich rund 400 MB Daten auf der Festplatte breit.
In der Schachtel liegt ein deutschsprachiges Handbuch bei, das
auf knapp 50 Seiten die Geschichte der A-10 erzählt, ihre
Waffensysteme beschreibt, in die Bedienung
des Panels einführt und Checklisten parat hält. Für
das Kneeboard von Flight Simulator gibt es auch Referenz- und
Checklisten. Sie orientieren sich an der Realität und erwähnen
daher auch Schalter oder Geräte, die in der Simulation funktionslos
sind oder schlicht nicht dargestellt wurden. Allerdings fehlen
auch ein paar Anweisungen, die doch von einer gewissen Bedeutung
wären.
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